Spanien: Umsatzeinbruch in der Automobil-Branche

Spaniens Schuldenkrise ist nun auch in der Automobilindustrie angekommen, wie der Absatzeinsturz auf 50 Prozent zeigt. Das Echo der Krise reicht bis zur Luxus-Klasse – Spanier sprechen daher von der „Cayenne-Krise“.

Spaniens Automobilbranche  muss wegen der Krise deutliche Absatzeinbrüche verkraften. Die Nachfrage nach Automobilen ist seit den Spitzenwerten aus dem Jahr 2007 auf dem Tiefpunkt gelandet – sowohl bei Luxus-Marken als auch bei gewöhnlichen Kleinwagen. Im Vergleich zum Jahr 2007 ist der gesamte Markt um 13 Prozent gefallen, berichtet Bloomberg. Für einzelne Automobilhersteller zeigen sich noch dramatischere Zahlen: So verbuchen Unternehmen wie BMW 47 Prozent Verluste und Volkswagen sogar rund 51 Prozent.

Einst unentbehrliches Statussymbol der Spanier, hat auch Porsche mit seinem Cayenne die Krise zu spüren bekommen. „Das Auto wurde das Paradigma unserer Lebensumstände – es spiegelte wieder, was wir uns leisten konnten“, erklärt Victor Conde, Professor für Marketing an Madrids Universität Nebrija. Doch die rosigen Zeiten von Porsche sind vorbei. So verzeichnet der Automobilhersteller in Portugal und Spanien im Vergleich zu 2007 ein Absatzeinbruch um 37 Prozent. Viele Spanier, die vor der Krise mit dem Cayenne protzten, wurden selbst von den Auswirkungen der stagnierenden Wirtschaft getroffen und kämpfen nun selbst ums Überleben. So erging es auch Roberto Murga, Bauleiter in Barcelona, dessen Porsche für ihn nur noch unnötiger Ballast geworden war – wie er Bloomberg erzählt. Verbraucher wie Murga haben sich der Realität angepasst – statt des Porsche fahren sie nun billige Kleinwagen und steigen auch gerne auf gebrauchte Fahrzeuge um.

Was bei Luxusgütern anfängt, ist für viele Spanier zur Losung geworden: Ausgaben reduzieren. Die fragile Wirtschaftlage, abgeschwächten Konjunktur sowie die hohe Arbeitslosenquote zwingt sie dazu. Für den Automobilmarkt bedeutet das: Produktion auf Sparflamme fahren, Stellen kürzen und neue Absatzmärkte suchen. Eine weitere Maßnahme, die Ford und Renault in ihren spanischen Werken Valencia und Valladolid für 2012 planen: Tausende Mitarbeiter für einen gewissen Zeitraum in den Zwangsurlaub schicken. Andere wiederum wie der lokale Autohersteller Seat oder der Autozulieferer CIE mit Sitz in Bilbao suchen ihre Chance in der Expansion in andere Märkte wie China.

Ricardo Mateo, Wirtschaftsprofessor der Universidad de Navarra in Pamplona, spricht von der Dringlichkeit neuer Arbeitsmarktreformen. „Die Lohnkosten und Steuern in Spanien sind zu hoch, Gewerkschaften zu stark. Die Autos müssen wettbewerbsfähig bleiben um gegen die Konkurrenz aus China, Korea, Indien und Südafrika anzukommen“, betont er.

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