Französischer Kaufhaus-Chef: 2012 kommt bedrohliche Inflation

Der Chef von E. Leclerc erwartet für 2012 den Beginn einer „bedrohlichen“ Inflation. Seine Lieferanten fordern heute schon deutlich höhere Preise, weil ihre Kosten um 20% gestiegen seien.

Michel-Edourad Leclerc, der Chef der zweitgrößten französischen Warenhauskette E. Leclerc sieht Anzeichen einer steigenden Inflation. In einem Interview mit dem Radiosender Europe1 sagte Leclerc, bisher „haben wir die Inflation nicht gemerkt, weil wir sie mit unseren Margen aufgegessen haben“. Unter diesen Umständen seien die 3%, die es im Jahr 2011 gegeben habe, schon zu hoch. Leclerc sagte, er sei “sehr besorgt” über diese Entwicklung.

Im Vorjahr hätten die Handelsunternehmen darüber hinaus ihre Lieferanten unter enormen Druck gesetzt. Leclerc sagte, dass seine Lieferanten schon im vergangenen Jahr versucht hatten, ihm als Händler einige der gröbsten Preissteigerungen weiterzureichen. Unmittelbar nach Krise konnte Leclerc diesen Versuch noch abblocken. Aber: „Sie sind dieses Jahr wiedergekommen und verlangen noch höhere Preise. Ihre Kosten sind tatsächlich enorm gestiegen, bei manchen bis auf 20%.“

Daher erwartet Leclerc für 2012 eine „bedrohliche Inflation“. Diese werde seine Branche besonders betreffen, weil gleichzeitig die Konsumenten eine noch nie dagewesene Zurückhaltung üben: „Ich habe in den 30 Jahren, seit ich das mache, noch nie so viel rationales Verhalten bei den Kunden erlebt. Sie haben große Angst, übers Ohr gehauen zu werden.“ Konsumenten seien heute viel weniger spontan und sorgten sich in hohem Maß über den Preis. Dies sei auch dadurch bedingt, dass die Leute keine höheren Gehälter erhalten. So könnten sie weniger einkaufen als noch vor einigen Jahren.

Die Ursache, warum die Spirale nach oben gehen wird, sieht Leclerc in der Bankenkrise: „Im Jahr 2012 wird die Finanzkrise die Realwirtschaft erreichen. Und zwar in der Form, dass wir alle für den ganzen Irrsinn bezahlen werden: Durch höhere Mehrwertsteuern, höhere Müllgebühren, höhere Steuern auf Getränke und so weiter.“ Die Banken trügen mit ihrer harten Haltung gegenüber Kreditnehmern zur Preisspirale bei. Leclerc: „Die Unternehmen sind ausgeblutet. Die Banken verlangen noch härtere Konditionen für ihre Kredite. So baut sich der Preisdruck von unten in der Zuliefererkette auf.“

E. Leclerc betreibt in Frankreich 555 Geschäfte und 117 in anderen Ländern.