Deutsche Industrie: Export-Euphorie schwindet

Der aktuelle Industriereport des DIHK zeigt einen deutlichen Rückgang der Export-Erwartungen in der deutschen Industrie. Vor allem die Produzenten von Vorleistungs-Gütern sind skeptisch. Diese Branche gilt als Früh-Indikator für die Konjunktur.

++Anktuell: China: Lokale Regierungen kämpfen gegen den Kollaps++

Die Gefahren der Schuldenkrise sowie die schwache Konjunkturentwicklung in Westeuropa und den USA lassen das Vertrauen deutscher Unternehmer schwinden. Die Exporterwartungen für die nächsten Monate gehen zurück: Sogar rund ein Drittel der Industrieunternehmen halten die Entwicklung der ausländischen Nachfrage für ein Geschäftsrisiko.

Aufgrund der weiterhin hohen Verunsicherung über den Fortgang der Eurokrise zeigt sich ein branchenübergreifender Rückgang in den Exporterwartungen deutscher Industrieunternehmen. Dies ergab der Industriereport 2011/2012 des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). So liegt das Erwartungssaldo mit derzeit 17 Punkten weit unter der Vorumfrage im Frühsommer und damit seit zwei Jahren wieder unter dem Durchschnitt von 22 Punkten. Ebenso die Beschäftigungs- und Investitionsabsichten der Exportindustrie sind vergleichsweise gering.
Besonders im Kraftfahrzeugbau sinken die Absatzperspektiven auf Grund des wirtschaftlich schwierigen Umfeldes in Europa und den USA. So haben Unternehmen der Spitzen- und Hochtechnologie zur Vorumfrage fast um die Hälfte an Exporterwartung verloren.

Eine der wenigen Ausnahmen ist der Medizintechnikbereich – hier setzt man weiterhin auf gute Exportumsätze. Angesichts der alternden Bevölkerung in Industriestaaten sowie der Modernisierung der Gesundheitssysteme in Osteuropa und Asien mit deutscher Technik können Medizintechniker mit höheren Absatzchancen rechnen. Auch bei Investitionsgüterproduzenten zeigt sich nur ein minimaler Rückgang der Exporterwartungen um zwei Punkte. Dennoch: Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten sowie die pessimistischen Konjunkturerwartungen führen auch dort zur Zurückhaltung bei Auslandsinvestitionen.

Ein ähnliches Bild ergibt sich im DIHK-Report bei den Maschinenbauern und Elektrotechnikern – obwohl die Elektrotechniker trotz Sinken der Absatzerwartungen im Ausland noch etwas über dem Durchschnitt liegen.

Auf dem niedrigsten Niveau sind die Vorleistungsgüterproduzenten. Dort ist die Euphorie längst verflogen: Denn als klassische Vorläuferbranche spüren sie das geringe Expansionstempo der Weltwirtschaft als erste. Ebenfalls unterdurchschnittliche Erwartungen an Auslandsgeschäft haben Glas-, Keramik- und Steinverarbeitung sowie die Metallerzeuger.
Bedingt durch zusätzlich gestiegene Rohstoffpreise, zeigt sich auch die Chemieindustrie bezüglich der ausländischen Absatzmöglichkeiten skeptisch. 83 Prozent der Unternehmer sehen darin sogar ein Geschäftsrisiko. Ähnlich abhängig von Energie- und Rohstoffpreisen ist die Gummi- und Kunststoffindustrie. Diese drosseln ihre Exporterwartungen um 22 Punkte.

Zusätzlich zu der Schuldenkrise kommen Unsicherheiten, hervorgerufen durch Wechselkursturbulenzen bei einigen Währungen, so die DIHK-Analysten. Einerseits kam es wegen des Aufwertungsdrucks zur Anbindung des Schweizer Franken an den Euro durch die Schweizer Zentralbank. Hinzu kommen die Interventionen der japanischen Zentralbank, um die Aufwertung des Yen zu kontrollieren und schlussendlich die Auseinandersetzungen zwischen den USA und China bezüglich des künstlich unterbewerteten Yuan.

Die deutsche Industrie sorgt sich branchenübergreifend um ihre Exporte. (Grafik: DIHK)

Die deutsche Industrie sorgt sich branchenübergreifend um ihre Exporte. (Grafik: DIHK)

Mehr zum Thema:
Konjunkturentwicklung verbessert Nachhaltigkeit in Deutschland
Ifo-Geschäftsklima-Index steigt trotz Krise
Schuldenkrise bremst deutschen Export