Leben

Michael Maier. (Foto: Laurence Chaperon)

Michael Maier. (Foto: Laurence Chaperon)

Michael Maier wurde am 21. März 1958 in Klagenfurt (Österreich) geboren. Nach dem Abitur (Matura) am Neusprachlichen Gymnasium in Spittal/Drau absolvierte er seinen Wehrdienst als Einjährig-Freiwilliger beim Österreichischen Bundesheer. Danach studierte er Jura an der Karl-Franzens-Universität in Graz und Katholische Kirchenmusik an der Musikhochschule in Graz (Orgel Prof. Otto Bruckner, Improvisation Prof. Kurt Neuhauser, Komposition Prof. Hermann Markus Preßl). Er beendete beide Studien – Jura mit der Promotion zum Dr. iur. und Kirchenmusik mit dem Künstlerischen Diplom. Maier gab in der Folge zahlreiche solistische Orgel-Konzerte in Österreich, Deutschland, Italien und Jugoslawien. Der Österreichische Rundfunk (ORF) zeichnete im Jahr 1989 eines seiner Konzerte in der Reihe Musikland Österreich auf. Er wirkte als Organist am Klagenfurter Dom sowie in Klagenfurt-Christkönig und war Mitglied des auf Renaissance und Moderne spezialisierten Ensembles Hortus Musicus. Seine Kompositionen wurden unter anderem bei Veranstaltungen der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) aufgeführt.

In seiner ersten beruflichen Station war Maier Wirtschaftsleiter des Afro-Asiatischen Instituts in Graz, einer gemeinnützigen Einrichtung, die ein Studentenwohnheim für Studierende aus Afrika, Asien und dem Nahen Osten betreibt. Danach wirkte er als Generalsekretär der Katholischen Aktion in Kärnten. In dieser Funktion war er vor allem im Kulturmanagement zuständig und organisierte unter anderem Ausstellungen der renommierten Künstlerinnen Kiki Kogelnik, Caroline und Meina Schellander als zeitgenössische Beträge zu einer großen, historischen Ausstellung auf der Straßburg. Er verpflichtete den damals noch völlig unbekannten Regisseur Martin Kušej zu einer provokanten Aufarbeitung der Kärntner Geschichte, die auch prompt zum ersten politischen Skandal des späteren Burgtheaterdirektors führte.

Journalistische Stationen

Maier begann seine journalistische Laufbahn als Chef der Kärntner Kirchenzeitung und als Assistent bei dem renommierten deutsch-amerikanischen Zeitungsdesigner Professor Rof F. Rehe bei dessen in Indianapolis ansässigen Unternehmen Design Research International. Gemeinsam mit Rehe arbeitete Maier unter anderem für die Zeitungen Slovenec (Ljubljana) und Lidove Noviny (Prag).

Für die Kärntner Kirchenzeitung berichtete er vor allem über die Umbrüche in Osteuropa. Die Zeitung meldete als erstes Medium die Pläne des damaligen slowenischen Premiers Lojze Peterle für eine Unabhängigkeit Sloweniens von Jugoslawien.

Danach wurde Maier Chef vom Dienst und Medien-Redakteur für die Zeitung Die Presse in Wien. Dort war er für die Modernisierung des Designs zuständig und wurde schließlich von der Redaktion zum Chefredakteur als Nachfolger von Thomas Chorherr gewählt. Maier blieb nur kurze Zeit, weil ihn der Verlag Gruner + Jahr zum Chefredakteur der Berliner Zeitung bestellte.

In Berlin baute er die frühere SED-Bezirkszeitung komplett um und holte die besten Journalisten aus Deutschland, um eine kritische und geistreiche Zeitung zu machen. Die Berliner Zeitung erinnerte sich noch 2005: „Kein so genannter seriöser Chefredakteur in Deutschland hätte solch ein Experiment gewagt. Das Ergebnis war umwerfend.“ Herbert Riehl-Heyse sprach in der Süddeutschen Zeitung am 19. Februar 1997 von einer „Kulturrevolution“: „Maier hat es geschafft, die bunteste aller Redaktionen des ganzen Landes um sich zu versammeln.“ Im September 1997 schrieb Mechthild Küpper in der SZ über die neue Berliner Zeitung: „Wir wollen glücklich sein, dass endlich etwas gelungen ist.“

Der Erfolg der Berliner Zeitung veranlasste Gruner + Jahr, Maier zum Chefredakteur des Stern zu machen. Die Zeit beim Stern endete nach nur sechs Monaten. Maier hatte grundsätzlich andere Vorstellungen vom Journalismus als der Verlag und große Teile der Redaktion. Der Verlag musste die Kündigung später zurücknehmen, man einigte sich auf eine Aufhebungsvereinbarung. In der Zeit nach dem Stern ging Maier ein Jahr nach Jerusalem und schrieb als Gast von Prof. Moshe Zimmermann einen Beitrag zum Thema „Antisemitismus in den Medien der DDR“. Der Beitrag wurde in der Buch-Publikation des Koebner Instituts für Deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem veröffentlicht (Auszug auf den DWN). Aus Israel schrieb Maier auf Einladung des damaligen Herausgebers des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Frank Schirrmacher, zahlreiche Beiträge über Kultur und Gesellschaft in Israel für die FAZ. Daneben wirkte er als Kolumnist der österreichischen Zeitung Der Standard, für den Maier insgesamt sechs Jahre eine wöchentliche Kolumne schrieb.

Journalismus im Internet

Im Jahr 2000 wurde Maier vom norwegischen Journalisten Knut Ivar Skeid als Chefredakteur der ersten Online-Zeitung Deutschlands nach Berlin geholt. Hans-Jürgen Jakobs nannte die Netzeitung im Spiegel ein „kühnes Projekt“. Die Netzeitung wurde im Jahr 2001 zum zweitgrößten Internet-Medien hinter Spiegel Online. Nach mehreren Eigentümer-Wechseln kauft Maier schließlich die Netzeitung gemeinsam mit dem früheren Capital-Chefredakteur Ralf-Dieter Brunowsky. In dieser Zeit gründete Maier gemeinsam mit Tim Renner den Radiosender 100,6 MotorFM, bei dem Independent Rock und unabhängige Nachrichten das Programm prägten. Das Netzeitungs-Projekt wurde so erfolgreich, dass der skandinavische Medien-Konzern Orkla Media die Netzeitung kaufte. Maier blieb noch anderthalb Jahre für Orkla im Amt, um dann für ein Jahr als Fellow an die Harvard Kennedy School in die USA zu gehen. Er arbeitete am Shorenstein Center und veröffentlichte seine Recherchen in einem Paper mit dem Titel „Journalism without Journalists – Vision or Caricature?“

Maier kehrte nach Berlin zurück und gründete neben anderen Publikationen die Deutschen Wirtschafts Nachrichten, als deren Herausgeber er seit 2012 wirkt. Die DWN sind heute das zweitgrößte Wirtschaftsmedium im deutschsprachigen Internet. Im Impressum der DWN ist die redaktionelle Linie festgelegt. Sie entspricht Maiers publizistischen Grundsätzen. Hier heißt es unter anderem: „Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten stehen für ein Wirtschaftssystem, in dem die Ressourcen der Erde mit äußerster Zurückhaltung verwendet werden und welches sich vor allem dem Ziel verpflichtet weiß, die Kluft zwischen Reich und Arm in der Welt zu verringern.”

Der große Erfolg im Leser- und Werbemarkt führte dazu, dass der schwedische Bonnier-Verlag im Jahr 2015 die Mehrheit der Anteile an den DWN übernahm.